FKA

Benedikt Zoller Coaching

Firmenkundenakademie

M16

NMZ-Optimierung

Nettomargenziffer im Firmenkundenbestand messen, verstehen und systematisch verbessern

Berater90 Min.Bloom 2–4

Video in Produktion

Dieses Modul wird derzeit als Lernvideo aufbereitet und bald verfügbar sein.

Stand: v0.1 · Benedikt Zoller Coaching


Kapitel

Modulinhalte

Definition

Die Nettomargenziffer (NMZ) ist die zentrale Ertragskennzahl im VR-Firmenkundencontrolling. Sie misst den bereinigten Nettoertrag einer Kundenbeziehung – oder eines Bestandssegments – als Prozentsatz des betreuten Kreditvolumens:

NMZ (%) = Deckungsbeitrag II × 100 / Kreditvolumen

Sie ist damit die auf das Volumen normierte Version des Kundendeckungsbeitrags (M14), was Vergleiche zwischen Kunden unterschiedlicher Größe erst möglich macht.

NMZ-WertInterpretation
> 1,5 %Sehr gut – rentable, ertragstarke Beziehung
1,0–1,5 %Gut – im Zielpfad
0,5–1,0 %Ausbaufähig – Handlungsbedarf, Hebel prüfen
< 0,5 %Kritisch – entweder Pricing anpassen, Cross-Selling intensivieren oder Exit prüfen
NegativVerlustbringend – sofortiger Handlungsbedarf

Diese Orientierungswerte basieren auf internen Benchmarks typischer VR-Banken (Schierenbeck et al., 2014; zeb consulting, 2020); die konkrete Ziel-NMZ wird durch die Haussteuerung vorgegeben.

Warum die NMZ dem DB überlegen ist

Der absolute Deckungsbeitrag sagt: „Dieser Kunde bringt 12.000 EUR." Die NMZ sagt: „Dieser Kunde bringt 1,0 % – bei doppeltem Volumen wäre dasselbe Geld besser angelegt." Erst durch die Volumen-Normierung wird erkennbar, ob eine Beziehung wirklich rentabel ist oder nur wegen ihrer Größe viel absolut beiträgt.

Rolfes (1999) betont, dass Banken ohne normierte Ertragskennzahlen systematisch Kapital in renditeschwache Engagements lenken, weil die absoluten Beträge groß aussehen.

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4.2 Die NMZ-Komponenten im Detail

Die NMZ wird von vier Treibern bewegt – jeder Treiber entspricht einem Hebel für die Optimierung:

KomponenteEinfluss auf NMZTypischer Hebel
ZinsmargeHochKonditionsanpassung bei Verlängerung, risikogerechtes Pricing
ProvisionsertragMittelZV-Vollständigkeit, Avale, Dokumentengeschäft
VerbundertragMittel bis hochR+V, Union Investment, Schwäbisch Hall einbinden
RisikokostenHoch (negativ)Rating verbessern, Besicherung stärken, Risikoengagements reduzieren
BetriebskostenNiedrig bis mittelBetreuungsintensität der NMZ-Rendite anpassen

Merksatz: Eine niedrige NMZ entsteht fast immer aus einer Kombination von unterdurchschnittlicher Zinsmarge UND fehlendem Verbundgeschäft UND zu hohen Risikokosten. Selten hat nur ein Faktor Schuld.

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4.3 NMZ-Berichte in agree lesen

Wo finde ich meine NMZ-Daten?

In agree (Atruvia) stehen NMZ-relevante Auswertungen über folgende Einstiegspunkte zur Verfügung:

AuswertungPfad in agreeInformation
Kundenprofitabilitäts-CockpitFirmenkunden → Controlling → KundenprofitabilitätDB I, DB II, NMZ je Kunde
Bestandsranking nach NMZFirmenkunden → Reporting → ErtragskennzahlenRangliste aller Kunden nach NMZ
KomponentenanalyseFirmenkunden → Controlling → ErtragskomponentenAufteilung Zins / Provision / Verbund
Verbundpartner-CockpitFirmenkunden → Verbund → CockpitVerbundabschlüsse und -potenziale

Hinweis: Die genauen Menüpfade variieren je nach agree-Version und Bankindividualisierung. Im Zweifel: Controlling oder Bereichsleitung nach dem hausinternen Standardreport fragen.

Leseübung: NMZ-Ranking interpretieren

Stellen Sie sich vor, Ihr Bestand zeigt folgendes NMZ-Ranking (Auszug):

RangKundeKreditvolumenDB IINMZHauptschwäche
1Müller GmbH800.00012.6001,58 %
2Wagner KG1.200.00015.2001,27 %Kein Verbund
38Bauer & Söhne1.200.0008.0400,67 %Niedrige Marge, kein Verbund
44Huber Bau GmbH900.0002.7000,30 %Rating C, Marge zu niedrig
45Fischer Transport600.000−1.800−0,30 %Negativer DB

Sofortmaßnahmen aus diesem Ranking:

  • Huber Bau GmbH (0,30 %): Rating prüfen, Besicherung optimieren, Verbund aktivieren
  • Fischer Transport (−0,30 %): Konditionengespräch unverzüglich, Exit-Prüfung falls keine Verbesserung möglich
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4.4 Der NMZ-Optimierungsprozess: 3 Schritte

Schritt 1: Identifizieren (monatlich, 30 Minuten)

Einmal im Monat: agree-NMZ-Ranking aufrufen. Die fünf Kunden mit der niedrigsten NMZ markieren. Für jeden prüfen: Was ist die Hauptursache? (Marge? Kein Verbund? Rating? Betreuungskosten?)

Schritt 2: Priorisieren

Nicht alle fünf auf einmal angehen. Priorisierung nach zwei Kriterien:

  • Potenzial der Verbesserung: Wie stark könnte sich die NMZ verbessern?
  • Hebelverfügbarkeit: Wie schnell und einfach lässt sich der Hebel aktivieren?

Einfache Priorisierungsmatrix:

Schnell umsetzbarLangfristig
Hohes VerbesserungspotenzialSofort angehen (Prio 1)Mittelfristig planen (Prio 2)
Niedriges VerbesserungspotenzialOpportunistisch (Prio 3)Deprioritisieren (Prio 4)

Schritt 3: Handeln und dokumentieren

Für jeden Prio-1-Kunden: konkrete Maßnahme definieren, Termin setzen, in agree dokumentieren. Die Maßnahme muss einem der vier NMZ-Hebel zugeordnet sein:

  • Zinshebel: Konditionengespräch vorbereiten (→ M14)
  • Verbundhebel: Verbundpartner-Termin vereinbaren (→ M13)
  • Risikohebel: Rating-Gespräch, Besicherungsoptimierung
  • Kostenhebel: Betreuungsintensität anpassen
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4.5 Praxiscase: Felix Braun optimiert seinen Bestand

Ausgangssituation

Felix Braun betreut 42 Firmenkunden. Seine Bestand-NMZ liegt laut agree-Reporting bei 0,81 % – der interne Benchmark der Bank ist 1,10 %. Felix ist 0,29 Prozentpunkte unter Ziel. Sein Bereichsleiter hat ihn gebeten, bis zum Quartalsende ein konkretes Maßnahmenpaket vorzulegen.

Analyse

Felix ruft das Bestandsranking auf. Er sieht sofort: Sieben Kunden haben eine NMZ unter 0,5 %, davon zwei mit negativem DB. Die Hauptursache variiert:

KundeNMZHauptursacheHebel
Metzger GmbH−0,20 %Rating D, Marge 1,10 %Rating / Exit
Bau Franz KG0,22 %Niedrige Marge (0,95 %), kein VerbundVerbund + Zins
Holz Meier0,38 %Hohe Betreuungskosten (22 Std.)Kostenhebel
Auto König GmbH0,41 %Kein Verbund (R+V, UI beide offen)Verbund
Druck Schmidt0,45 %Laufende Linie hoch ausgenutzt (EAD↑)Besicherung

Felix priorisiert

Prio 1: Bau Franz KG und Auto König GmbH – schnell verbesserbar, hohe Hebelwirkung. Prio 2: Druck Schmidt und Holz Meier – mittelfristig. Gesondert: Metzger GmbH – Rating-Gespräch nächste Woche, danach Exit-Entscheidung.

Maßnahmen

  • Bau Franz KG: R+V-Termin vereinbaren (Betriebsunterbrechung, Schlüsselperson). Bei nächster Kreditverlängerung in 4 Monaten: Marge auf 1,25 % anpassen. Erwartete NMZ-Steigerung: +0,45 Pp.
  • Auto König GmbH: R+V + Union Investment Erstgespräch. Kein Konditionsgespräch nötig – rein Verbundpotenzial. Erwartete NMZ-Steigerung: +0,30 Pp.

Simulierter Effekt auf Bestand-NMZ

Wenn nur diese zwei Kunden optimiert werden, steigt die Bestand-NMZ von 0,81 % auf ca. 0,91 % – noch nicht am Ziel, aber klarer Fortschritt in Richtung 1,10 %.

Reflexionsfragen

  1. Warum hat Felix die Metzger GmbH von seinen Prio-1-Maßnahmen ausgenommen?
  2. Welchen Fehler würde Felix machen, wenn er alle sieben Kunden gleichzeitig angehen wollte?
  3. Welche Kennzahl in agree würden Sie zuerst aufrufen, wenn Sie morgen früh Ihren Bestand prüfen?
Kapitel

4.6 Arbeitsblätter

Arbeitsblatt A: Mein NMZ-Bestandsbild

(Daten aus agree-NMZ-Ranking, Stand: _____________)

Bestand-NMZ gesamt: ________ % | Interner Benchmark: ________ %

Rang (von unten)Kunde (anonymisiert)NMZHauptursacheHebel
1
2
3
4
5

Dominantes Schwachfeld in meinem Bestand:

☐ Zinsmarge zu niedrig ☐ Verbundgeschäft fehlt ☐ Risikokosten zu hoch ☐ Betreuungskosten zu hoch

Arbeitsblatt B: Maßnahmenplan

KundePrioMaßnahmeHebelTerminErwartete NMZ-Steigerung
1
1
2

Mein Ziel für die nächsten 90 Tage:

Bestand-NMZ von ________ % auf ________ % verbessern.


5. PRAXISTRANSFER


Kapitel

Praxistransfer

Aufgabe (sofort nach dem Workshop, innerhalb einer Woche):

  1. Öffnen Sie das NMZ-Bestandsranking in agree.
  2. Füllen Sie Arbeitsblatt A mit Ihren echten Daten aus (anonymisiert für die Teambesprechung ausreichend).
  3. Definieren Sie zwei Prio-1-Maßnahmen aus Arbeitsblatt B und terminieren Sie diese konkret.
  4. Tragen Sie die Maßnahmen in agree ein (Aktivitätenverfolgung / Beratungshinweis).

In der nächsten Teambesprechung (ca. 4 Wochen später):

Berichten Sie in 5 Minuten: Was haben Sie identifiziert? Welche zwei Maßnahmen haben Sie umgesetzt oder eingeleitet? Was hat das für Ihre NMZ bedeutet?

Kapitel

5.2 Selbstcheck nach 4 Wochen

AussageTrifft voll zu (4)Trifft überwiegend zu (3)Trifft eher nicht zu (2)Trifft nicht zu (1)
Ich kann die NMZ erklären und weiß, wie sie berechnet wird.
Ich kenne meine aktuelle Bestand-NMZ und den internen Benchmark.
Ich habe das NMZ-Ranking in agree geöffnet und die 5 schwächsten Kunden identifiziert.
Ich habe für mind. 2 Kunden eine konkrete NMZ-Maßnahme definiert und terminiert.
Ich kenne das dominante Schwachfeld in meinem Bestand (Zins / Verbund / Risiko / Kosten).
Ich prüfe mein NMZ-Ranking mindestens einmal im Monat aktiv.

Auswertung:

  • 20–24 Punkte: NMZ-Routine etabliert – konsequent weiterführen
  • 14–19 Punkte: Einstieg gelungen – Routine verfestigen, Maßnahmentempo erhöhen
  • unter 14 Punkte: agree-NMZ-Zugang klären und Coaching mit Bereichsleiter vereinbaren
Kapitel

5.3 Vertiefungsliteratur

Fachlich

  • Schierenbeck, H. et al. (2014): Ertragsorientiertes Bankmanagement, Band 1 – Grundlagen der Marktzinsmethode und kundenbezogenen Rentabilitätsrechnung
  • Rolfes, B. (1999): Gesamtbanksteuerung – Konzepte der ertragsbezogenen Steuerung auf Einzelkundenebene

Praxismaterialien

  • agree Benutzerhandbuch: Kundenprofitabilität (Atruvia Intranet) – NMZ-Auswertungen und Interpretation
  • DZ BANK Vertriebssteuerungs-Leitfaden (Verbund-Intranet) – NMZ-Benchmark, Zielsysteme im Firmenkundengeschäft
  • Bankinternes Controlling-Handbuch – Ziel-NMZ und Bewertungsrahmen der eigenen Bank

7. QUELLENVERZEICHNIS

Kapitel

Didaktik & Kompetenzentwicklung

Anderson, L.W. & Krathwohl, D.R. (Hrsg.). (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing: A Revision of Bloom's Taxonomy of Educational Objectives. Addison Wesley Longman. [Q-001]

Dreyfus, H.L. & Dreyfus, S.E. (1986). Mind over Machine: The Power of Human Intuition and Expertise in the Era of the Computer. Free Press. [Q-004]

Kapitel

Bankcontrolling & Ertragsorientierung

Rolfes, B. (1999). Gesamtbanksteuerung: Grundlagen, Konzepte und Methoden des Bankcontrollings. Schäffer-Poeschel. [Q-108]

Schierenbeck, H., Lister, M. & Kirmße, S. (2014). Ertragsorientiertes Bankmanagement: Band 1: Grundlagen, Marktzinsmethode und Rentabilitäts-Controlling (9. Aufl.). Springer Gabler. [Q-134]

Kapitel

Bankfachliche Quellen

zeb consulting. (2020). Firmenkundenstudie 8.0. zeb. [Q-020]

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